Wie ein Roman entsteht – Die besten Ideen kommen oft dann, wenn man keinen Stift zur Hand hat. Meistens unter der Dusche.

Wenn mich jemand fragt, wie ein Roman entsteht, erwartet er wahrscheinlich eine Antwort, die nach Planung, Struktur und Disziplin klingt. Natürlich gehören diese Dinge dazu. Aber wenn ich ehrlich bin, beginnen die meisten meiner Ideen ganz woanders.

Nämlich genau dann, wenn ich sie am wenigsten gebrauchen kann.

Die besten Einfälle kommen selten, wenn ich konzentriert vor dem Computer sitze und darauf warte, dass sich die Muse blicken lässt. Stattdessen tauchen sie plötzlich auf – bei der Arbeit, kurz vor dem Einschlafen oder unter der Dusche. Ausgerechnet dann, wenn kein Notizbuch in Reichweite ist.

Unter der Dusche scheint mein Gehirn besonders kreativ zu sein. Vielleicht liegt es daran, dass man dort für ein paar Minuten einfach nichts leisten muss. Die Gedanken können frei umherwandern, und plötzlich ist sie da: eine neue Figur, ein Dialog oder die Lösung für ein Problem, über das ich stundenlang nachgedacht habe. Wie oft habe ich gedacht: „Das ist genial. Diesen Gedanken werde ich garantiert nicht vergessen.“ Wenige Minuten später war die Genialität dann irgendwo zwischen Shampoo und Handtuch verschwunden.

Manchmal entwickelt sich aus einer einzigen Idee eine ganze Geschichte. Ein Satz genügt, und plötzlich sehe ich eine Szene vor mir. Dann folgt die nächste Szene und irgendwann frage ich mich, ob daraus vielleicht ein Roman werden könnte.

Inzwischen weiß ich, dass Inspiration allein keinen Roman schreibt. Die Idee ist nur der erste Funke. Danach beginnt die eigentliche Arbeit. Figuren müssen entwickelt werden, Handlungsstränge entstehen, Kapitel werden geschrieben und oft auch wieder verworfen. Aus einem kurzen Geistesblitz werden viele Stunden am Schreibtisch.

Trotzdem liebe ich diese unerwarteten Momente. Sie erinnern mich daran, dass Geschichten nicht auf Knopfdruck entstehen. Manchmal brauchen sie Raum, um sich zu entwickeln. Und manchmal finden sie ihren Weg zu mir genau dann, wenn ich gerade an etwas völlig anderes denke.

Vielleicht ist das das Schönste am Schreiben: Man weiß nie, wann die nächste Idee kommt.

Nur eines weiß ich inzwischen ziemlich sicher: Wenn mir unter der Dusche wieder eine brillante Szene einfällt, sollte ich sie so schnell wie möglich festhalten. Denn mein Gedächtnis ist längst nicht so zuverlässig, wie ich in diesem Moment immer glaube.

Deshalb habe ich mir angewöhnt, Ideen möglichst schnell festzuhalten. Denn die Erfahrung zeigt: Die Gedanken, die ganz plötzlich auftauchen, sind oft die wertvollsten. Viele meiner Geschichten haben genau auf diese Weise begonnen – mit einem einzelnen Gedanken, der plötzlich auftauchte und sich weigerte, wieder zu verschwinden. Zum Glück gibt es heute Smartphones. Sonst wären vermutlich einige meiner Lieblingsfiguren nie geboren worden.

Meine Bücher

Geschichten über Hoffnung, Liebe, Freundschaft und Menschen, die ihren Weg finden.

Aus dem Schreibzimmer